Veröffentlicht am 28.05.2026 · aktualisiert am 27.09.2026
9 Min. Lesezeit
Auf einen Blick
Pflege organisiert sich selten von alleine. Oft kommt der Bedarf plötzlich – nach einem Sturz, einer Diagnose oder einem Spitalaufenthalt. Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung hilft Ihnen, in einer solchen Situation Ruhe zu bewahren, die richtigen Stellen einzubeziehen und die passende Lösung zu finden.
Kurz erklärt
Pflege organisiert sich selten von alleine. Oft kommt der Bedarf plötzlich – nach einem Sturz, einer Diagnose oder einem Spitalaufenthalt. Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung hilft Ihnen, in einer solchen Situation Ruhe zu bewahren, die richtigen Stellen einzubeziehen und die passende Lösung zu finden.
Für Angehörige und Familien, die Pflege zu Hause organisieren.
Kosten hängen von Pflegebedarf, Leistung und Finanzierung ab.
Die Krankenversicherung beteiligt sich an Pflegeleistungen nach KLV; Betreuung und Haushalt bezahlt sie grundsätzlich nicht.
Angaben ohne Gewähr, Stand 2026, massgebend sind Kanton und Krankenkasse.
Schritt 1: Situation in Ruhe einschätzen
Bevor Sie Anbieter anrufen oder Verträge unterschreiben, lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Situation. Was kann die betroffene Person noch selbst? Wo ist Hilfe nötig? Was wünscht sie sich selbst? Eine einfache Liste mit Tagesablauf, Mahlzeiten, Medikamenten und Wegen schafft eine erste Grundlage.
Schritt 2: Hausärztin oder Hausarzt einbeziehen
Der Hausarzt oder die Hausärztin ist die zentrale Anlaufstelle. Sie kennen die medizinische Vorgeschichte, können den Pflegebedarf einschätzen und bei Bedarf eine ärztliche Anordnung ausstellen. Diese braucht es für Behandlungspflege (z. B. Medikamente verabreichen, Wundversorgung, Injektionen); Abklärung, Beratung und Grundpflege kann eine Pflegefachperson nach einer Bedarfsabklärung auch ohne ärztliche Anordnung erbringen (Art. 7 KLV). Einzelne Spitex-Organisationen verlangen in der Praxis trotzdem eine ärztliche Verordnung.
Schritt 3: Bedarfsabklärung anfordern
Vor Beginn der Pflege erfolgt eine Bedarfsabklärung durch eine Pflegefachperson – meist der Spitex-Organisation. Dabei wird detailliert erhoben, welche Leistungen in welchem Umfang nötig sind. Das Ergebnis ist die Grundlage für die Finanzierung und für den Einsatzplan.
Schritt 4: Finanzierung klären
Pflegekosten setzen sich aus mehreren Teilen zusammen: Krankenkasse, öffentliche Hand, Patientenanteil und gegebenenfalls private Zusatzleistungen. Prüfen Sie frühzeitig, ob Anspruch auf Hilflosenentschädigung oder Ergänzungsleistungen besteht.
Krankenkasse: zahlt Beiträge an Pflegeleistungen nach KLV
Kanton/Gemeinde: übernimmt einen weiteren Anteil
Patientenanteil: max. 20 % des höchsten Pflegebeitrags (im Kanton Zürich höchstens CHF 7.65 pro Tag) plus Franchise/Selbstbehalt
Hilflosenentschädigung: bei dauerhaftem Pflegebedarf
Ergänzungsleistungen: bei knapper finanzieller Situation
Schritt 5: Passenden Anbieter wählen
Spitex, private Betreuung, 24-Stunden-Betreuung oder eine Kombination – die Wahl hängt vom Bedarf, der Region und den persönlichen Vorlieben ab. Holen Sie sich mindestens zwei Angebote ein und achten Sie auf Transparenz bei Preisen, Vertragsdauer und Kündigungsfristen.
Bauchgefühl ernst nehmen
Pflege ist Vertrauenssache. Wenn das erste Gespräch sich nicht stimmig anfühlt, ist das ein wichtiges Signal – auch wenn fachlich alles stimmt.
Schritt 6: Wohnumfeld anpassen
Viele Stürze und Notfälle lassen sich mit einfachen Anpassungen vermeiden: Haltegriffe im Bad, rutschfeste Teppiche, gute Beleuchtung, Notrufsystem. Eine Wohnberatung – oft kostenlos über Pro Senectute oder die Gemeinde – ist hier sehr hilfreich.
Schritt 7: Aufgaben in der Familie verteilen
Pflege darf nicht auf den Schultern einer einzigen Person liegen. Verteilen Sie früh Aufgaben: Wer übernimmt die Kommunikation mit Ärzten? Wer kümmert sich um Finanzen? Wer organisiert Einkäufe? Klare Rollen vermeiden Überforderung und Konflikte.
Schritt 8: Rechtliche Grundlagen schaffen
Vorsorgeauftrag: regelt Vertretung bei Urteilsunfähigkeit
Aktuelle Liste aller wichtigen Kontakte und Verträge
Schritt 9: Entlastung für sich selbst organisieren
Wer pflegt, braucht selbst Pausen. Planen Sie von Anfang an Entlastungsangebote ein: Tagesstätten, stundenweise Betreuung, Ferien für Angehörige, Selbsthilfegruppen. Auch psychologische Unterstützung kann sehr wertvoll sein.
Schritt 10: Situation regelmässig überprüfen
Pflege ist kein statischer Zustand. Der Bedarf verändert sich – oft schleichend. Planen Sie alle drei bis sechs Monate einen kurzen Überblick: Stimmt der Umfang der Betreuung noch? Sind alle Beteiligten zufrieden? Müssen neue Leistungen dazu?
Fazit
Pflege zu organisieren ist anspruchsvoll – aber machbar, wenn man Schritt für Schritt vorgeht. Eine unabhängige Beratung kann dabei helfen, die richtige Reihenfolge zu finden und keine wichtigen Themen zu übersehen.
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Quellen und Redaktion
Stand der Angaben: September 2026 · Redaktion PflegeInfo24.ch. Die Inhalte dienen der Orientierung.
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